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Europäisches Parlament: Debatte zu Ratingagenturen

RatingagenturMitte Januar wurde die Kreditwürdigkeit von neun europäische Staaten erneut von einer der drei großen US-amerikanischen Ratingagenturen herabgestuft. EU-Abgeordnete und Finanzexperten im Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments diskutierten nun, wie sich die Abhängigkeit Europas von den Ratingagenturen reduzieren ließe.  



Während die Kreditbewertungen von Staaten kostenfrei erfolgen, müssen Unternehmen für die Bewertung durch eine Ratingagentur bezahlen. Die Agentur tritt also zugleich als Kunde und als Richter auf. Ein Interessenskonflikt scheint da fast unvermeidbar.

Das sogenannte Rotationsprinzip soll helfen, Interessenskonflikte zu vermeiden. Wären Firmen nämlich gezwungen, jedes Jahr eine andere Ratingagentur zu engagieren, gäbe es für die Agentur keinen Anreiz, eine besonders positive Bewertung abzuliefern, um auch im Folgejahr einen Auftrag zu erhalten. 

Das Rotationsprinzip, so die Hoffnung der EU-Kommission, könnte auch für mehr Wettbewerb sorgen. Derzeit beherrschen die drei großen US-amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's Investor Services und Fitch Ratings rund 95 % des Weltmarktes.

Der französische Christdemokrat Jean-Paul Gauzès glaubt aber nicht, dass ein Rotationsprinzip mehr Wettbewerb bringen könnte.

Susan Launi vom europäischen Arm der Ratingagentur Fitch, der kleinsten der drei großen Ratingagenturen, erwartet so gar eine gegenteilige Entwicklung. Rotation, so ihre These, führe zu weniger Wettbewerb und Transparenz und verstärke die Abhängigkeit von den Ratingagenturen. Viele Firmen würden nämlich in Zukunft einfach zwischen zwei Ratingagenturen wechseln, das Triumvirat der amerikanischen Ratingagenturen würde durch ein Duopol abgelöst. 

Der deutsche Liberaldemokrat Wolf Klinz störte sich vor allem am Zeitpunkt der vergangenen Abwertungen. "Eine Woche vor neuen Beratungsgesprächen erscheinen neue Ratings", sagte er. "Wir wissen wie schlimm die Lage ist und schon kommt die nächste  Abwertung."

Schlechte Ratings, fürchtete der tschechische Konservative Ivo Strejček, könnten Politiker dazu verleiten, neue Gesetze zu erlassen, um die Ratingagenturen zu zwingen, nur das zu veröffentlichen, was den Politikern gefalle.

Ratingagenturen agierten mittlerweile ähnlich wie Regulationsbehörden deren Handeln den Markt manipulieren könne, kritisierte der portugiesische Abgeordnete Miguel Portas. Anders als die Aufsichtsbehörden würden die Agenturen daraus aber Profit schlagen. 

Thierry Philipponnat, Generalsekretär der NGO Finance Watch, teilte Portas Ansicht, dass der Einfluss der Ratingagenturen denen einer Aufsichtsbehörde gleichkäme.

Der italienische Berichterstatter Leonardo Domenici schlug vor, das Parlament solle sich vor allem auf die Bewertung von Staatsschulden und mehr Wettbewerb bei den Ratings konzentrieren. Auch die Gründung einer europäischen Regulationsbehörde für Ratingagenturen sollte in Betracht gezogen werden.

Der Wirtschaftsausschuss wird am 28. Februar erneut über das Thema beraten.

Weitere Informationen finden Sie im Video zur Sitzung des Ausschuss für Wirtschaft und Währung.

 

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